Wandern in den Wicklow Mountains (3): Luggala & Lough Dan

Wandern in den Wicklow Mountains (3): Luggala & Lough Dan

Im Herzen der Wicklow Mountains gelegen kommt Luggala, auch Fancy Mountain genannt, eine besondere Rolle zu. Seine steilen Klippen an den Osthängen, die tief hinab auf den Guinness-See Lough Tay stürzen, sind etwas ganz besonders Feines.
Im Nordosten von Luggala entspringt der Fluss Cloghoge River, welcher sich schnell zum bereits erwähnten Lough Tay erweitert und aus dessen Ende wieder südlich ab- und weiterfließt. Fluss und See liegen in einem tiefen Tal, welches westlich von Luggala und östlich von den entferntesten Ausläufern von Djouce eingerahmt wird und weiter südlich bis Lough Dan verläuft. Die Eiszeit, welche das Tal um den Cloghoge River aus dem Gestein formte, hat hier ganze Arbeit geleistet und Luggalas Hänge sind im Osten und Süden sehr steil, teils Klippen. Im Süden liegt der Zwilling von Luggala, Knocknacloghoge. Dieser nahezu identische Berg hinsichtlich Höhe und Form wird nur durch ein tiefes Tal von Luggala abgetrennt, durch welches sich ein Seitenarm des Cloghoge River seinen Weg in den Hauptfluss bahnt. So steil die Hänge von Fancy Mountain hier auch sind, im Westen geht es sehr viel gemächlicher zu: Luggala fällt westlich flach ab und erstreckt sich über die Weite bis irgendwann nach mehreren Kilometern mit Carrigvore und Gravale die nächsten Berge kommen.
Lough Tay von der R 759
Lough Tay von der R 759
Auf Luggala bin ich zweimal gewandert. Meinen ersten Anlauf habe ich im Sommer 2012 von der Nordwestseite von Lough Dan aus unternommen. Bei gutem Wetter, d. h. bei niedrigem Wasserstand durchquert man hier den Inchavore River an einer kleinen Sandfurt westlich den Fluss an um auf die nördliche Uferseite zu gelangen. In Zeiten von heftigem oder längerem Regen überquert man die Furt gar nicht – oder wird nass. Bei der Planung dieser Wanderroute ist dieser Punkt unbedingt zu berücksichtigen.
Inchavore Valley
Inchavore Valley
Den Inchavore River zum Lough Dan folgend (trockenen oder nassen Fusses) verläuft ein Trampelpfad durch hohen Farn und stechenden Ginster zwischen den Hängen von Knocknacloghoge und dem Seeufer entlang. Nach einigen hundert Metern verbreitert sich der Weg und  trifft auf eine freie Fläche und ein altes, verlassenes Haus. Wie mir Sean, mein Gastgeber im Lough Dan House erklärte, gehört das Haus zum Guinness-Besitz und ist seit Ewigkeiten verlassen, da es außer per Boot über den See nur zu Fuß erreichbar ist. Und wer möchte in den heutigen Zeiten schon nur derart eingeschränkt wohnen? Zumindest scheinbar niemand, der aus einem Bier-Imperium abstammt. Entsprechend sind hier die Türen und Fenster vernagelt und die weiße Farbe blättert vom Putz. Direkt neben dem Haus lädt eine großgewachsene Linde zum Verweilen im Schatten ein und der Cloghoge River fließt zu Füßen des altehrwürdigen Gebäudes entlang in Richtung Lough Dan. Bewohnt oder nicht, das alte Guinness-Haus ist für den Wanderer eine willkommene Pausen-Lokation.
Luggala Südflanke aus Sicht von Knocknagloghoge
Luggala Südflanke aus Sicht von Knocknagloghoge
Die Wanderroute führt nun nördlich durch das Cloghoge Valley. Eine fast schon klischeehaft irische Natursteinmauer grenzt den Weg von der weitläufigen Weide ab, die sich zwischen Cloghoge River und dem Weg befindet. Hier grast eine Herde von mehreren hundert Rehen, die den Wanderer oberhalb auf dem Weg interessiert beobachten. Von Einsamkeit also keine Spur. Zumindest soweit es die Tierwelt betrifft. Menschen sind hier dennoch Fehlanzeige.
Cloghoge Valley
Cloghoge Valley
Nach wenigen Kilometern steht der Anstieg auf Luggala an. Knappe 300 Höhenmeter sind durch Farnwedel hindurch zu bewältigen. Das muss das Boot ab, Herr Kaleun. Belohnt wird die Anstrengung schon während der Wanderung mit Ausblicken auf Lough Dan im Süden und ab einem gewissen Höhengrad mit Lough Tay im Norden.
Lough Tay von Luggala Mountain
Lough Tay von Luggala Mountain
Die Spitze von Luggala bei 595 m ist eine für die Wicklow Mountains typische, flache Bergspitze, die viel Platz und Aussicht in alle Himmelsrichtung bietet. Ganz besonders interessant ist hier der Ostrand, fallen hier nämlich die steilen Klippen hinab ins Tal und zu Lough Tay. Ein spektakulärer Anblick!
Der Abstieg ist ein kurzes Vergnügen. Wie schon eingangs erwähnt, fällt Luggala in nordwestlicher und westlicher Richtung deutlich flacher ab und über einen langgezogenen Rücken gelangt man schnellen Schrittes ins Tal. Einziges Manko: die hiesigen Bodenverhältnisse sind mit naß wohlwollend umschrieben. Gerade bei Regen ist es ein schlammiges Vergnügen, dem schmalen Trampelpfad bis zur Old Military Road zu folgen. Dieser gilt es nun für ca. 4 km südlich an den Hängen von Carrigvore, Gravale und Duff Hill entlang zu folgen.
Luggala Nordwest-Rücken aus Sicht von Carrigvoher
Luggala Nordwest-Rücken aus Sicht von Carrigvoher
Inmitten eines Waldstücks führt ein gut ausgebildeter Coillte Forstweg östlich in den Wald hinein. Dieser endet im tiefsten Dickicht aus hohen Fichten und eine nachtähnliche Dämmerung, hervorgerufen durch das nahezu blickdichte Nadeldach umfasst einen. Laut tost nun der nahe Inchavore River, der durch den Wald in das Inchavore Valley in Richtung Lough Dan strömt. Durch die Fichten findet sich ein spärlicher Pfad, der sich auf meiner Wanderung irgendwann verlor. Dem Ufer des Flusses folgend kommt man aber irgendwann wieder ins Freie und hat nun das gesamte Inchavore Valley mit Lough Dan am Ende vor sich.
Auf meiner Wanderung im Sommer 2012 schlug irgendwann während ich mich durch Fichten kämpfte, das Wetter um und heftigster Regen war auf meinem Weg durch das Inchavore Valley mein treuer Begleiter. Durch Matsch und Regen also nochmal eine kräfteraubende Einheit zum Abschluss dieser knapp 20 km langen Wanderung, die am Startpunkt am Lough Dan endet.

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