The Hills of Donegal (2): Rundreise entlang der Inishowen 100

The Hills of Donegal (2): Rundreise entlang der Inishowen 100

Inishowen im County Donegal ist die nördlichste Halbinsel auf Irland und zusammen mit den Kerry-Halbinseln Dingle, Iveragh und Beara flächenmäßig eine der größten. Natürlich gibt es auf Inishowen für den Irland-Reisenden viel zu entdecken, was sich lohnt, für den nächsten Irland-Urlaub auf die To-do-Liste zu setzen. Um Inishowen in Gänze zu erkunden bietet sich die Inishowen 100, eine ausgeschilderte Rundtour entlang der Küstenstraßen der irischen Halbinsel an. Eine kleine Übersicht der Highlights von Inishowen auf den Inishowen 100.

Der Name Inishowen 100 leitet sich von Ihrer Länge von ca. 100 Meilen (ca. 160 km) ab. Diese verhältnismäßig kurze Strecke entlang der Küsten von Inishowen lässt sich natürlich im Laufe eines langen Urlaubstages mit dem Auto abfahren. Es sei jedoch wärmstens empfohlen, sich mindestens zwei Tage Zeit zu nehmen, um die Schönheit der Landschaft und die kulturellen und historischen Highlights dieses Teils von Donegal entspannt in sich aufnehmen zu können.
Aus südlicher Richtung von Derry kommend, erreicht man die Inishowen Halbinsel über eine Landzunge zwischen den beiden Fjorden Lough Swilly im Westen und Lough Foyle im Osten. Auf diesem schmalen Streifen liegt der Ort Burt, der auch direkt mit einem Highlight der Inishowen Halbinsel aufwartet. Hier in Burt liegt An Grianán of Aileach, ein Ringfort, mutmaßlich aus dem 6. Jahrhundert. Es wird mit den Herrschern von Inishowen und dem Clan Uí Néill, einem der größeren Clans der Provinz Ulster in Verbindung gebracht.
An Grianán of Aileach, ein Ringfort in der Nähe von Burt
Von Burt aus startet die eigentliche Rundfahrt im Uhrzeigersinn entlang der Inishowen 100. Bereits kurz hinter Burt liegt ein kurzer Landsteg, der die Insel Inch mit dem Festland von Inishowen verbindet. Die Insel ist als Wildfowl Reserve, also als Wildgeflügel Reservat, deklariert. Das Wattenmeer zwischen Insel und Festland ist eine wichtige Überwinterungsstätte für Schwäne mit bis zu über 300 Exemplaren.
Ebenfalls nur eine kurze Distanz weiter die Inishowen 100 entlang, kommt der Ort Fahan. Hier befinden sich die Ruinen von St. Mura’s Monastery, die Reste einer Abtei aus dem 18. Jahrhundert. Es heißt, St. Colmcille hätte bereits im 6. Jahrhundert an selber Stelle eine christliche Stätte gegründet und den späteren Heiligen Mura als Abt eingesetzt. Auf dem alten Friedhof findet sich ein Grabstein mit Kreuz-Gravur aus dem 7. Jahrhundert, der allgemein als Grabstein St. Muras angesehen wird und damit eines der ältesten christlichen Relikte auf Irland darstellt.
Die Ruinen von St. Murra’s Monastery und der Grabstein des Heiligen mit Kreuzgravur
Von Fahan führt die Inishowen 100 weiter nach Buncrana, der größten Ortschaften auf der Inishowen Peninsula. Neben einem schönen Sandstrand mit Blick über Lough Swilly auf die Nachbar-Halbinsel Fanad und einer kleinen Innenstadt, bietet Buncrana einen sehr schönen Stadtpark. In diesem befindet sich O’Doherty’s Keep, eine mittelalterliche Burgruine, die einst Sitz der O’Doherty’s, Herrscher von Inishowen im Spät-Mittelalter war.
O’Doherty’s Keep im Stadtpark von Buncrana auf Inishowen
Hinter Buncrana verlässt die Inishowen 100 die Hauptstraße und folgt einer Landstraße weiter die Küste entlang. Die Straße führt zum Dunree Head, dem westlichsten Landstück der Inishowen Halbinsel. Durch seine exponierte Lage, weit in den Lough Swilly ragend, bot sich Dunree Head aus militärischer Sicht als Aussichtsposten zur Überwachung des Fjord an. Dunree Fort wurde im frühen 19. Jahrhundert auf den Klippen von Dunree Head errichtet und spielte über die Kriegsjahre des 1. und 2. Weltkriegs für die britische Navy eine teils wichtige Rolle. Heute beherbergt es ein Militärmuseum und ist ein großartiger Aussichtspunkt über die nahen Urris Hills der Inishowen Peninsula, Lough Swilly und die benachbarte Halbinsel Fanad.
Relikte aus dem Weltkrieg können im Dunree Fort besichtigt werden
Die Urris Hills, eine schlanke Bergkette erstrecken sich von Dunree Head aus nordöstlich nahe der Küste entlang. Die Inishowen 100 führt hier über die Berge durch das Gap of Mamore. Die Straße steigt steil und schnurgerade an, kreuzt den höchsten Punkt der Straße und bietet hier eine tolle Aussicht hinab auf den Küstenstrich zwischen Bergen und Atlantik. Das Gap of Mamore ist landschaftlich eines der Highlights der Inishowen 100.
Das Gap of Mamore, Pforte durch die Urris Hills. Im Hintergrund liegt Tullagh Bay mit dem Berg Binnion.
Am nordöstlichsten Ende der Urris Hills liegt die Tullagh Bay, eine hufeisenförmige Bucht mit breitem Sandstrand auf knapp 1 km Länge und dem Berg Binnion (250 m) an ihrem östlichen Ende. Die Tullagh Bay lädt zur Verschnaufspause und einem ausgiebigen Strandspaziergang ein.
Strand in der Tullagh Bay mit Binnion im Hintergrund
Nur wenige Kilometer von der Tullagh Bay entfernt, liegt der kleine Ort Clonmany. Kurz vor der Ortseinfahrt lohnt sich ein Halt am Glenevin Waterfall, der aus einer Schlucht in den Urris Hills hinab Richtung Küste sprudelt. Nur ein kurzes Stück weiter die Straße hinunter befindet St. Columba’s Church, eine kleine Kirchen-Ruine aus dem 18. Jahrhundert deren ursprüngliche Geschichte jedoch bis in das 7. Jahrhundert zurück reicht.
Abgelegener Wasserfall bei Clonmany
In Clonmany trifft die Inishowen 100 wieder auf die Hauptstraße, die nun weiter nördlich durch den Nachbarort Ballyliffin führt. Zwei Kilometer nördlich von Ballyliffin liegt die kleine Halbinsel Doagh mit der Pollan Bay und einem traumhaft langen Sandstrand an ihrer Westküste. Am nördlichen Ende des knapp 3 km langen Strandes liegt auf einer Anhöhe das Carrickabraghy Castle, eine mittelalterliche Wachburg der O’Doherty’s aus dem 16. Jahrhundert.
Einsame Wacht: das Carrickabraghy Castle auf der Doagh Halbinsel.
Die Inishowen 100 folgt von Doagh aus weiter der Hauptstraße in Richtung Carndonagh. Diese kleine Ortschaft liegt am zentralsten auf Inishowen und ist Stätte des Donagh Cross, einem Hochkreuz mit christlichen Gravuren aus dem 7. Jahrhundert. Es wurde von seinem ursprünglichen Standort entfernt und wenige Meter weiter, gegenüber der heutigen Kirche aufgestellt.
Im Ortszentrum von Carndonagh steht das Donagh Cross
Von Carndonagh aus führt die Inishowen 100 um die Trawbreaga Bay herum und durch das kleine Dörfchen Malin weiter die Küstenlinie der Bucht entlang. Hier liegt der Five Finger Strand, ein wunderbares Strand-Highlight von Inishowen mit einer prachtvollen Dünenlandschaft und schöner Aussicht zurück auf die Doagh Halbinsel auf der anderen Seite der Bucht.
Blick auf den Five Finger Strand und die hohen Dünen
Vom Five Finger Strand aus führt die Inishowen 100 eine steile Küstenstraße hinauf und es öffnet sich eine einmalige Aussicht auf den unten liegenden Strand und die Doagh Halbinsel ehe die Straße weiter nördlich führt und die Sicht auf Malin Head frei wird, den nördlichsten Punkt von Inishowen und ganz Irland.
Blick über die Trawbreaga Bay mit Five Finger Strand und der Doagh Halbinsel
Langsam aber sicher führt die Inishowen 100 in den nördlichsten und abgelegensten Teil der Inishowen Halbinsel. Hier am nördlichen Ende der irischen Landkarte liegt Malin Head, der nördlichste Punkt von Irland. Eine schmale Landstraße windet sich nach Norden und Malin Head entgegen. Am äußersten Punkt von Malin Head, als Banba’s Crown bekannt, steht ein alter Wachturm mit Aussicht auf den Atlantik. Ein ausgeschilderter Cliff Walk lädt zur Erkundung der Klippen von Malin Head ein.
Der nördlichste Punkt von Irland: Malin Head mit „The Tower“
Nicht weit entfernt von Malin Head befindet sich das Wee House of Malin, eine kleine Höhle samt Quelle, die, so die irische Sage, unbegrenzt Menschen in sich aufnehmen kann. Von hier führen die Inishowen 100 nun einen einsamen Küstenstrich zwischen kleineren Bergen entlang.  Die kleine Landstraße windet sich durch die grüne, irische Landschaft und erreicht das Dorf Culdaff. Culdaff ist ein schöner Küstenort, etwas ins Land hinein versetzt mit einem kleinen Strand.
Das Wee House of Malin ist die kleine Höhe rechts. Im Vordergrund die alte Kirchenruine.
Von Culdaff aus folgt die Inishowen 100 der Küste der entlang auf den östlichsten Teil der Halbinsel. Kurz bevor die Straße einen Knick nach Südwesten ins Inland macht, erreicht sie die Kinnagoe Bay, eine wunderschöne, einsame Bucht mit Sandstrand. In den Tiefen der Bucht liegt das Schiffswrack der La Trinidad Valecera, die als Teil der Spanischen Armade in 1588 vor der Küste versank.
Kinnagoe Bay an einem wolkenverhangenen Tag
Die Inishowen 100 führen nun inlands und umkreisen einen niedrigen Gebirgszug an dessen östlichen Ende Inishowen Head, der östlichste Punkt der Halbinsel liegt. Inishowen Head liegt am Eingang in den Fjord Lough Foyle und bietet Aussicht auf die nordirische Küste auf der anderen Seite des Meeresarms. Entlang der steilen Klippen von Inishowen Head kann einem ausgeschilderten Rundwanderweg gefolgt werden.
Klippen am Inishowen Head
Bereits auf dem Weg nach Inishowen Head führt die Straße durch Greencastle, wo die Ruinen von Northburg Castle aus dem 14. Jahrhundert zu besichtigen sind. Greencastle selbst ist ein kleiner Küstenort an der schmalsten Stelle von Lough Foyle. Unmmittelbar gegenüber auf der anderen Uferseite liegt der nordirische Magilligan Point, eine Landspitze, die den Zugang zum Lough Foyle auf nur etwas mehr als 1 km verengt.
Ruinen von Northburg Castle in Greencastle, Donegal
Die Inishowen 100 führen von Greencastle nach Moville, einem weiteren kleinen Küstenort und weiter fort die Ufer von Lough Foyle entlang bis zum Endpunkt der Rundtour. Der Ort Muff, unmittelbar an der Grenze zwischen den Counties Donegal und Derry, liegt bereits wieder auf der Landenge zwischen den Fjorden Lough Swilly und Foyle, auf der die Inishowen-Rundfahrt über ihre knapp 100 Meilen ihren Anfang nahm.
Die Inishowen 100 bieten eine gut ausgeschilderte Rundfahrt über die Inishowen Halbinsel, führt durch wechselhafte Landschaften von Weiden, Küsten mit Stränden und Klippen sowie über rauhe Berge. Am Wegesrand liegen steinzeitliche Funde, mittelalterliche Ruinen und verträumte Dörfer. Neben den aufgezählten Stationen entlang der Inishowen 100 hat die nördlichste, irische Halbinsel aber noch viel mehr zu bieten. Wie zuvor bereits erwähnt, lässt sich die überschaubare Distand der Inishowen 100 an einem Tag mit dem Auto abfahren. Empfehlenswert ist es, sich aber mindestens zwei Tage, besser sogar drei Zeit zu nehmen, um die Halbinsel und ihre vielen kleinen Highlights zu entdecken.
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